Motivationshilfe auf vier Pfoten

Volksschule Waldaschaff: Schulhund Goofy darf ausnahmsweise mit zum Citylauf

Mittwoch, 25.04.2018

Goo­fy hat die Her­zen der Kin­der im Sturm er­obert. Vor rund zwei Jah­ren ist die Volks­schu­le Wal­da­schaff auf den Hund ge­kom­men - im wahrs­ten Sin­ne des Wortes. Denn der mitt­ler­wei­le vier­jäh­ri­ge Rho­de­si­an Rid­ge­back ist seit­her der Schul­hund, und darf am 4. Mai beim HVB-City­lauf aus­nahms­wei­se in ei­nem der Schü­l­er­läu­fe mit­ten durch die Stadt ren­nen.

Ausdauer hat Goofy, denn mit seiner Besitzerin Jennifer Geis geht er regelmäßig joggen und ist ein Mantrailer, ein spezieller Suchhund (siehe Infokasten). Die Würzburgerin unterrichtet an der Mittelschule Waldaschaff, ist dort die Sportbeauftragte und brachte Goofy bei einer Übernachtung mit einigen Kindern als Wachhund mit in die Schule. »Ich dachte, es könnte eine gute Kombination mit der Schule sein und wollte schauen, wie die Kinder reagieren«, sagt Geis: »Die Kinder waren sofort verliebt in ihn.« Sporadisch brachte Geis ihren Hund an Wandertagen und bei Ausflügen danach mehrfach mit - zum Gefallen der Schüler.

Die Idee mit dem Schulhund
Vor zweieinhalb Jahren unterbreitete sie Rektor Joachim Brand den Vorschlag für einen Schulhund, und der, selbst Hundehalter, zeigte sich offen. Mittlerweile sind Brand und Goofy ganz dicke, was nicht nur im täglichen Leckerli im Rektorat begründet ist.

Dennoch war die Hilfe des Hundes im Unterricht keine ganz einfache Angelegenheit. Schließlich durfte es keine Widerstände geben. Bei den Schülern wurden alle Allergien abgefragt, ihre Eltern per Elternbrief und später in den Elternversammlungen informiert. Für jene Schüler, in deren Unterricht Goofy integriert werden sollte, mussten die Eltern schriftlich zustimmen. Das Feedback war positiv, manche Eltern fragten sogar, warum Goofy nur zwei- bis dreimal die Woche mit in die Schule kommt. Goofy, der schon in jungen Jahren die Hundeschule durchlaufen hat, legte derweil die Begleithundeprüfung ab.

In den Unterricht integriert
Und es wurde ein Konzept erarbeitet, wie Goofy den Unterricht sinnvoll bereichern kann. Jennifer Geis gibt etwa in jeder Klasse Unterrichtseinheiten, wie man sich gegenüber einem Hund am besten verhält. So lernten alle Kinder Goofy kennen und der Hund die Schule und ihre Bewohner. Auch das lief sehr gut.
Goofy wurde sogar der Star des Projektunterrichts der 8. Klasse. So stellten die Schüler im Fach Soziales Hundefutter und Hundekekse her, im Fach Technik wurde Hundespielzeug gebaut und im Fach Wirtschaft ein Flyer mit Informationen zu Goofy erarbeitet. »Die Motivation war enorm hoch«, sagt Rektor Brand. »Die Schüler sehen, was bei ihren Projekten herauskommt. Frisst Goofy die Kekse? Welches Spielzeug klappt, welches nutzt er nicht?«, ergänzt Jennifer Geis.

Am lebenden Beispiel Mathe lernen
Manchmal hilft Goofy im Unterricht, indem er sich einfach auf einen großen runden Teppich in der Schule legt, wirft Brand ein: bei der Berechnung des Flächeninhalts. Wie der eines Kreises zu berechnen ist, wussten die Schüler, nur hatten sie keine Maßangaben. Außer Goofy. Und so mussten sie eine Lösung finden - indem sie Goofy mit den Pfoten auf ihre Schultern ließen. Die eigene Größe ist bekannt, und schon konnten sie jene von Goofy abschätzen - und damit den Radius des runden Teppichs. Der Rest ist Mathematik.

Und nun also beim Citylauf am Start

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Dort ist die Volksschule Waldaschaff am Start, seit es die Schülerläufe gibt. Heuer werden es wieder an die 60 der insgesamt 237 Schüler an Grund- und Mittelschule sein. »Laufen ist für ein Kind halt relativ unattraktiv«, weiß Rektor Brand. Doch Jennifer Geis und ihre Kollegin Anja Weger von der Grundschule begegnen dem, indem sie die Schüler spielerisch zum Laufen bringen. Geis hat dafür jüngst noch eine »Lauf dich fit«-Fortbildung absolviert. Laufspiele, eine Art Biathlon mit der Spielzeugarmbrust oder ein den aus dem Fernsehen bekannten Ninja Warriors nachempfundener Hindernisparcours sollen ebenso Lust auf Bewegung wecken.

Auch Radfahren und Schwimmen auf dem Plan
Allerdings ist Laufen in der Volksschule Waldaschaff momentan nicht erste Wahl, wenn es um Bewegung geht. Seit 2004 gibt es eine Radsportgruppe an der Schule, seit 2010 ist Waldaschaff Stützpunktschule Radsport. Damit die 24 Mountainbiker auch an normalen Wettkämpfen teilnehmen können, wird mit dem Ringerverein KSV Bavaria Waldaschaff kooperiert, der dazu eine eigene Radabteilung gründete. Anfang Juni sind die Waldaschaffer Gastgeber für ähnliche Schulgruppen beim Unterfranken-Entscheid im Mountainbike.

Selbstverständlich schlägt sich dieser Schwerpunkt auch im Sportunterricht nieder. Neben den regulären drei Stunden in der Mittelschule und den zwei (plus eine) in der Grundschule werden vier Stunden wöchentlich Radfahren als differenzierter Unterricht angeboten. Teil des differenzierten Unterrichts ist zudem das eigentlich für Grundschulen erdachte Schwimmfix-Konzept, das Jennifer Geis und ihre Kollegen im Hinblick auf die vielen Anfänger auch in den höheren Klassen auf die gesamte Schule abgewandelt haben. »Ziel ist, dass kein Schüler als Nichtschwimmer aus der Schule geht.«

Der Citylauf ist ein Highlight.
Sport gehört also zum Schulalltag. Der Citylauf hingegen ist für die Schüler immer etwas Besonderes. »Die Atmosphäre ist so toll, da schießt einem das Adrenalin ins Blut«, sagt Rektor Brand. Und jeder wisse: »Man muss dafür trainieren, wenn man gute Zeiten erreichen will.«
Für zusätzliche Motivation sorgt dieses Jahr Goofy, der mit Jennifer Geis in einem der Schülerläufe unterwegs ist. »Ich bin die einzige Erwachsene im Schülerlauf«, sagt sie und erklärt: »200 oder 300 Meter würde Goofy auch ohne mich mitrennen, doch dann würde er zu seinem Frauchen umdrehen.« Das würde dann ein Slapstick wie beim namensgebenden Zeichentrickvorbild von Walt Disney werden. Den Namen hat Goofy übrigens nicht nur wegen seiner äußerlichen Ähnlichkeit. »Er heißt zurecht Goofy, denn er ist etwas verschusselt«, sagt Geis. Wohl deshalb wurde Disneys Goofy von Millionen Kindern geliebt. In Waldaschaff hat Goofy die Herzen der Kinder aber auch ohne Tapsigkeit erobert. Andreas Schantz

Hintergrund: Ein Suchhund als Schulhund


Schulhunde sind an Bayerns Schulen noch nicht üblich, aber auch nicht ganz so selten, wie man vermuten könnte. In Unterfranken sind neben Goofy an der Volksschule Waldaschaff noch der Labradoodle Charly mit Betreuerin Heike Widmann-Back an der Schiller-Grundschule Aschaffenburg und der Labrador Leni mit Betreuerin Nadine Kleber an der Mittelschule Schöllkrippen im Einsatz.
Das Besondere am Rhodesian Ridgeback Goofy von Jennifer Geis ist seine Ausbildung zum Rettungshund, genauer zum Mantrailer. Diese Hunde sind im Gegensatz zu den Flächenspürhunden auf das Suchen bestimmter Personen in bebauter, vor allem städtischer Umgebung ausgebildet. Geis und Goofy gehören dem Verein Mantrailing Würzburg an, sind für Einsätze jedoch der Freiwilligen Feuerwehr Steinmark im Landkreis Main-Spessart zugeordnet. Jennifer Geis arbeitet zudem ehrenamtlich im Rettungsdienst und der Erste-Hilfe-Ausbildung bei den Johannitern.
Fit hält sich das Duo durch die Trainingsläufe mit der Suchhundestaffel, bei der bis zu fünf Kilometer in einem Tempo von 6/7 km/h zurückgelegt werden. Außerdem begleitet Goofy Jennifer Geis bei deren Joggingläufen zwischen fünf und acht Kilometern Länge. »Der Hund soll arbeiten können«, sagt Geis über die gute Kondition ihres Tieres.

Der Artikel erschien in der Sonderausgabe des Main Echo zum Citylauf in Aschaffenburg und wurde von Andreas Schantz verfasst. Alle Bilder und Informationen finden Sie direkt auf der Seite des Main Echo.

Infos unter www.schulhunde-bayern.com und www.mantrailing-wuerzburg.de

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In den letzten Wochen war einiges im Unterricht los. Meine Schüler haben Hundekekse und Spielzeug für mich gebaut sowie einen Flyer über meine Tätigkeit erstellt. Während des Projektes durfte ich so einiges ausprobieren.

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Zudem hatten wir Besuch von Schulleitern aus der Region sowie dem Schulamtsdirektor Joachim Hartmann aus Aschaffenburg. Die Klasse hat in dieser Stunde anhand meiner Körpergröße den Flächeninhalt eines Teppichs berechnet.

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Ich war super stolz auf meine Klasse!

Grüße,

Goofy